29 Juli 2006

Der neuseeländische Kult der Kälte


(Gemessen im Schlafzimmer, am 28 Juli, 3 Minuten vor 8 am Morgen: 6,5° Celsius!)



Der Winter in Neuseeland ist nicht speziell kalt. Aber er ist eine eher ungemütliche Erfahrung. Dieses Jahr ist es schlimmer als sonst, weil es einen der kältesten Winter seit vielen Jahren ist. Wo wir herkommen ist es normalerweise kälter als hier, aber doch so viel angenehmer. Die Häuser sind warm und gemütlich – ganz anders als in Neuseeland. Hier haben die Gebäude hauchdünne Wände, die Fester haben keine Doppelverglasung und generell scheinen sie so konzipiert zu sein, dass sie so viel Wärme wie möglich an die Aussenwelt abgeben.

Viele Leute in Neuseeland verehren die Kälte. Man sieht sie im tiefsten Winter im T-shirt draussen. Bei 5 Grad Celsius gehen viele Kinder mit kurzen Hosen in die Schule. Am letzten Donnerstag sah ich einen 11 jährigen barfuss in den Bus einsteigen – mit Frost am Boden.

Gemäss dem MetService, der staatlichen Wetterbehörde, ist 2006 der kälteste Winter seit 1972. Jemand erzählte mir sogar, dass sie nie einen kälteren Winter erlebte seit sie nach Christchurch kam in 1951. Die Kälte hebt ein paar ungemütlich Fakten hervor: kalte Häuser kosten wahrscheinlich Hunderten von Leuten das Leben jedes Jahr. Im Juli sterben normalerweise 500 mehr über 80-jährige als im Februar, and die Wahrscheinlichkeit das ein Kind von einer Atemwegserkrankung stirbt ist dreimal höher im Juli als im Januar. Im Vergleich: Letztes Jahr gab es 366 Verkehrstote in Neuseeland. In Ländern wie Schweden und Russland, wo's viel kälter ist als hier, sind die Differenzen in den Todeszahlen viel kleiner.

Die Durchschnittstemperatur in einem Neuseeländischen Heim liegt auf dem gleichen Niveau wo die Weltgesundheitsorganisation eine Gesundheitswarnung herausgegeben hat (16°). Die Empfehlung für eine gesunde Temperatur liegt bei mindestens 18°. Die meisten Neuseeländer scheinen diese schäbigen Verhältnisse ohne Klagen zu akzeptieren. Sie finden, es sei eine Geldverschwendung das Haus to heizen oder zu isolieren. Sie kümmern sich nicht um die Konsequenzen. An diesen Aspekt der lokalen Kultur hier werden wir uns wohl nie angewöhnen!

Während dem Winter verdoppelt sich normalerweise unsere Elektrizitätsrechnung. Obwohl wir eigentlich nur Anahita's Kinderzimmer richtig heizen, brauchen wir einen elektrischen Radiator im Esszimmer, einfach weil es weder lustig noch akzeptabel ist Frühstück zu essen bei 10° im Esszimmer! Die einzige installierte Heizung ist ein Holzfeuer in der Küche. Wenn wir genügend Holz verbrennen wird es schön warm in der Küche und dem Esszimmer, aber der Rest des Hauses bleibt kalt. Das Schlafzimmer brauchen wir gar nicht während den Wintermonaten, weil wir früh morgens regelmässig so 5 oder 6° messen. Wer hat da schon Lust aufzustehen bei einer solchen Kälte?